Logo Gesamtschule Voerde
Überschrift: Gesamtschule Voerde, Schule für die Sekundarstufen 1 und 2
Schulbild, Adresse: Allee, 46562 Voerde, Telefon: 02855923111

Berichte über Gewalt - Politisches Jugendtheater an der Gesamtschule Voerde

   
   
     

Angekündigt wurde die Veranstaltung für die insgesamt ca. 200 SchülerInnen der Jahrgänge 8 und 9 an der Gesamtschule Voerde als eine Informationsveranstaltung zum Thema Gewalt. Bei dem Projekt des Theaters Till aus Meerbusch handelt sich um eine Auftragsproduktion für die Unfallkasse NRW im Rahmen der Gewaltprävention. Die Gruppe entwirft ein realistisches Szenario, wonach die Agentur "Mensch - aber wie?" Menschen gecastet und unter Vertrag genommen hat, die in verschiedener Art und Weise mit Gewalt in Berührung gekommen sind. Zum Teil handele es sich dabei um Personen, die auf Grund einer Straftat vom Jugendamt dazu verpflichtet wurden, für eine Zeit im Rahmen dieser Kampagne mitzuwirken. Ein anderer Teil bestehe aus Personen, die bereitwillig ihre Geschichten einer Öffentlichkeit zukommen lassen wollen. Menschen berichten über ihre Gewalterfahrungen. Opfer und Täter. Sie haben den Mut, in der Öffentlichkeit nicht nur ihre Geschichte zu erzählen, sondern auch ihre Gefühle, Motive, Ängste. Soweit die Erklärungen an die Zuschauer. Und so saßen dann die Gecasteten auf der Bühne im Theaterraum der Gesamtschule Voerde und berichteten von ihren Gewalterfahrungen: Ein Neonazi, straffällig geworden, muss er teilnehmen. Er mischte einen asiatischen Laden auf. Seine Mutter verlor dort ihren Job, als die Besitzer wechselten. Ein Lehrer, die Situation an der Schule desillusionierte ihn nicht nur, sondern trieb ihn soweit, dass er einen Schüler zusammenschlug. Seine Angst schluckte er zu lange. Eine Frau, sie wurde Zeugin einer Vergewaltigung und ging mutig dazwischen. Nun ist ihr Gesicht entstellt. Eine Schülerin, ihre Mitschülerin sprang aus dem Fenster. Grund: Mobbing. Coole Sprüche trieben sie in den Selbstmord. Ein Ausländer, ein Freund wurde von Rechtsextremen zum Krüppel geprügelt. Ihm wird das nicht passieren, er wird vor den anderen zuschlagen. Während der Neonazi provokativ über seine Erfahrungen berichtete, kochten die Emotionen hoch, heiße Diskussionen entstanden. Schülerinnen mischten sich ein, sagten laut ihre Meinung. Mucksmäuschen still wurde es als die Zeugin einer Vergewaltigung über ihre Erfahrungen berichtet, teilweise flossen Tränen. Auch bei den Vorträgen der anderen Protagonisten wuch die Betroffenheit der SchülerInnen Sie waren innerlich sehr bewegt und angespannt. Es knisterte förmlich im Saal. Nach ihren Berichten verteilten sich die Protagonistenen im Raum. Die SchülerInnen durften die Protagonisten befragen und mit Ihnen diskutieren. Die aktive Beteiligung steigerte sich, da die SchülerInnen nun persönlich verbal eingreifen und so das Geschehen mitbestimmen konnten. Anschließend waren die SchülerInnen eingeladen, anhand eines Fragebogens gemeinsam die Person zu bewerten. Die SprecherInnen der Gruppen lasen ihre Bewertung im großen Plenum vor. Sympathien und Antipathien werden bekundet, es fallen coole Sprüche. Erst nach dem "offiziellen" Ende der Veranstaltung gaben sich die Protagonisten als SchauspielerInnen des politischen Kinder- und Jugendtheaters Till zu erkennen; sie bestätigten aber, dass die Inhalte ihrer Berichte wahr sind, also auf tatsächlichen Ereignissen und Vorfällen beruhen. Eine Schauspielerin berichtete über ihre Erfahrungen aus den Probearbeiten. Die Überraschung bei den SchülerInnen ist groß. Am Ende der Veranstaltung konnten die SchülerInnen in der ausgedehnten Feedbackrunde den SchauspielerInnen noch Fragen stellen, Eindrücke äußern, Unverdautes zur Disposition stellen. In dieser Phase interessierten die SchülerInnen sich vor allem dafür, wie die SchauspielerInnen mit ihrer Rolle und der eigenen Identität umgingen und was sie persönlich mit der gespielten Figur verband. Diese in allen Belangen gelungene Veranstaltung mit all den Emotionen, Spannungen und hitzigen Debatten wird den SchülerInnen und LehrerInnen der Gesamtschule Voerde noch lange in Erinnerung bleiben. Nachbereitet wird die Veranstaltung selbstverständlich auch im Unterricht als Teil der Präventionsarbeit an der Gesamtschule Voerde.